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Aus der Geschichte der Bereitschaft Kronach

Gründung

Im Frühjahr 1888 regte der damalige königl. Bezirksamtmann von Kronach den Turnverein an, eine freiwillige Sanitätskolonne ins Leben zu rufen.
Kurzentschlossen erklärten sich 17 junge Leute aus dem Turnverein bereit und gründeten die freiwillige Sanitätskolonne Kronach.
Zum Kollonenführer wurde der Vorstand des Turnvereins, H. Cornelius Ducrue, bestimmt.

Vor dem 1. Weltkrieg

Da der Kolonne jegliches Übungsmaterial fehlte, beschränkte sich die Ausbildung zunächst auf theoretischen Unterricht.
Im Jahre 1889 erhielt die Sanitätskolonne auf ihr Drängen von der Kreisleitung das erste Übungsmaterial, das aus 5 Liebriemen mit Verbandstaschen und Feldflaschen und 2 alten Militärtragbahren bestand.
Nun wurden jeden Sonntag von 13 bis 15 Uhr praktische Übungen abgehalten.
Da die Mittel zur Beschaffung weiteren Übungs- und Ausrüstungsmaterials immer noch knapp waren, wurde in den darauffolgenden Jahren von den Mitgliedern ein Unkostenbeitrag in Höhe von 5 Pfennigen pro Übungsstunde erhoben.
Im Laufe der Jahre wurde der Wert der Kolonne von der Öffentlichkeit immer mehr erkannt und so blieb auch die Unterstützung durch die Stadt und den Bezirk nicht aus.
Es wurden jetzt einheitliche Uniformen angeschafft, die die Mitglieder allerdings noch zum größtenteils aus ihren eigenen Taschen finanzieren mussten.


Gruppenbild von 1901

1. Weltkrieg

Schon in den ersten Augusttagen 1914 errichteten die Sanitätskolonne im Kronacher Bahnhof eine sog. "Verpflegungsanstalt" für Truppentransporte.
Hier wurden durchfahrenden Soldaten mit Essen und Trinken versorgt.
Kurz darauf errichteten man in Verbindung mit dem Frauenverein drei Vereinslazarette, die zur Aufnahme von 116 Verwundeten ausreichten.
Bereits am 12. September 1914 wurden hier 59 Verwundete medizinisch versorgt.
Bedingt durch den Einzug zum Heer sank die Zahl der aktiven Mitglieder:
1917 waren bereits 44 Mann eingezogen
1918 verbleiben nur noch 4 Mann zum Sanitätsdienst.


Verpflegung von Feldtruppen
am Bahnhof Kronach 1914

Die Anforderungen an die Kolonne waren in dieser Zeit jedoch enorm, was folgende Zahlen belegen:

von 1914-1918 wur

  • 1421 Verwundete versorgt
  • 93 Transporte in Kronach durchgeführt
  • 354 Transporte auswärts durchgeführt
  • 163 Desinfektionen durchgeführt

In jenen Tagen war ein Krankentransport noch ein recht abenteuerliches Unterfangen.
Sollte ein Patient z.B. vom Kronacher Krankenhaus in eine andere Klinik verlegt werden, so wurde er auf einer fahrbaren Krankentrage von zwei Sanitätern zum Bahnhof gebracht.
Von dort gings dann per Eisenbahn zum Bestimmungsort. Gegen die Unbilden der Witterung war der Patient durch ein Segeltuchaufbau geschützt.

Nach dem 1. Weltkrieg

Die zunehmende Zahl der Krankentransporte führte zum Bedarf an einem Krankenwagen.
In einer großangelegten Haus-Straßensammlungsaktion versuchten die Kolonnenmitglieder die Mittel für einen Krankenwagen zu beschaffen.
Am 12. August 1925 war es dann endlich so weit. Ein schwarzer Krankentransportwagen der Marke Dux konnte seiner Bestimmung übergeben werden.
Mit diesem Wagen wurden bis 1928 bereits 254 Krankentransporte durchgeführt.
An folgende kleine Anekdoten aus seiner aktiven Dienstzeit erinnert sich H. Baumann, Fahrer des Krankenwagen in Kronach:

Eine schwangere Patientin sollte wegen eines durchzuführenden Kaiserschnitts in die Klinik in Erlangen eingeliefert werden.
Kurz nach Bamberg setzten bei der Frau die Geburtswehen ein.
Also klingelte Baumann in der nächsten Ortschaft an der nächstbesten Haustüre, um nach der Hebamme zu fragen.
Es stellt sich heraus, dass die Hebamme in diesem Haus wohnte.

In den Folgejahren wurde neben der Ausbildung männlicher Sanitäter auch die Ausbildung weinlicher Helferinnen forciert und eine eigene Jugendabteilung gegründet.
Die Versammlungen und Unterrichtsveranstaltungen fanden im Gesellenhaus (heute Kath. Vereinshaus) und später Turnerheim statt.
Durch persönliche Werbung von Haus zu Haus gelang es, 429 passive Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 2,- RM zu gewinne.
Dank dieser Spendenfreudigkeit konnte jetzt Pflegematerial wie z.B. Luftkissen, Bettschüsseln usw. an mittellose Kranke ausgeliehen werden.
Höhepunkt des Jahres 1928 bildete die 40-Jahrfeier, die auf der Hofwiese (heutiger Schützenplatz) abgehalten wurde.

 

2. Weltkrieg

Während der Kriegsjahre befand sich im Krankenhaus ein Lazarett und ein Hilfslazarett im Tanzsaal des damaligen Hotels "Goldener Wagen" (heute WEKA-Kaufhaus).

Zusammen mit Krankenschwestern und Ärzten versorgten hier die Kolonnenmitglieder die Verwundeten.

Das es zu dieser Zeit noch keine hauptamtlichen Sanitäter gab, mussten die freiwilligen Helfer ständig abrufbereit sein.

So war es an der Tagesordnung, berichtet Christof Schmidt, dass Helfer von der Arbeitsstätte zum Einsatz abberufen wurden, wenn ein Krankentransport anfiel oder ein Verwundeten-Transport eintraf.

Als Transportmittel standen ein Daimler Benz 838 sowie ein alter Dux zur Verfügung.

Nach dem 2. Weltkrieg

Die trostlose Situation des Landes spiegelte sich auch in der Sanitätskolonne wider.
Viele der treuen Mitglieder waren im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft geraten.
Nach und nach begannen jedoch wieder die Aktivitäten.
Die Aufgabe der Kolonne bestand jetzt auch in der Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten.
Max Schedel erinnert sich in diesem Zusammenhang daran, dass er in der Nachkriegszeit oft nach Nürnberg fuhr um "Care"-Pakete abholte, die an die Bevölkerung verteilt wurden.

 

 

 

   
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